Iman: der Glaube und seine sechs Artikel
Der Glaube mit seinen sechs Artikeln. Er nimmt zu und ab, das ist ausdrĂŒcklich so gemeint.
Iman bezeichnet den Glauben. Er umfasst sechs Artikel: den Glauben an Allah, an Seine Engel, an Seine BĂŒcher, an Seine Gesandten, an den JĂŒngsten Tag und an die Vorherbestimmung im Guten wie im Schlechten.
Woher das Wort kommt
Iman kommt von amina, sicher sein, derselben Wurzel wie Amanah, das Anvertraute. Glaube und ZuverlÀssigkeit hÀngen im Arabischen sprachlich zusammen.
Im Alltag
Die AufzĂ€hlung geht auf ein ĂŒberliefertes GesprĂ€ch zurĂŒck, in dem ein Fremder den Propheten nach Islam, Iman und Ihsan fragte. Auf die Frage nach dem Iman nannte er die sechs Artikel. Der Fremde war der Engel Dschibril, und der Prophet erklĂ€rte danach, er sei gekommen, um die Menschen ihre Religion zu lehren.
Aus demselben GesprĂ€ch stammt die klassische Unterscheidung: Islam ist die Ă€uĂere Hingabe in den fĂŒnf SĂ€ulen, Iman die innere Ăberzeugung, Ihsan die Vollendung beider, nĂ€mlich Allah zu dienen, als sĂ€he man Ihn.
Wichtig fĂŒr den Alltag ist, dass der Iman nach ĂŒberwiegender Auffassung zunimmt und abnimmt. Wer das weiĂ, erschrickt nicht, wenn eine Phase trocken ist, sondern sucht das, was ihn wieder trĂ€gt: Gebet, Umgebung, Wissen.
Warum âGlaube" zu kurz greift
Der Islamologe Amir Zaidan weist darauf hin, dass die ĂŒbliche deutsche Ăbersetzung in die Irre fĂŒhrt. âGlauben" heiĂt im Deutschen oft: etwas fĂŒr wahrscheinlich halten, ohne es zu wissen. Das arabische Wort meint das Gegenteil. Es steht fĂŒr tasdiq, also etwas als wahr bestĂ€tigen und verinnerlichen, weil derjenige, der es mitteilt, wahrhaftig ist.
Zaidan macht das an einem einfachen Beispiel deutlich: Wenn jemand auf die scheinende Sonne zeigt und sagt âdie Sonne scheint", antwortet man im Arabischen nicht mit amantu laka, sondern mit sadaqta: du hast die Wahrheit gesprochen. Iman wird ausschlieĂlich fĂŒr das gebraucht, was andere ĂŒber das Verborgene mitteilen, nicht fĂŒr das, was man mit eigenen Sinnen wahrnimmt.
Daraus folgt etwas, das dem verbreiteten Bild vom Glauben widerspricht: Iman ist kein Verzicht auf PrĂŒfung. Zaidan verweist darauf, dass der Quran das Folgen bloĂer Vermutungen ausdrĂŒcklich zurĂŒckweist: das Spekulieren ersetze nichts von der Wahrheit. Was als wahr bestĂ€tigt wird, muss also zuvor, soweit dem Menschen möglich, belegt sein.
Nicht zu verwechseln mit
Dem Islam als Ă€uĂerer Zugehörigkeit. Der Quran unterscheidet beides ausdrĂŒcklich: Beduinen sagten, sie glaubten, und ihnen wurde geantwortet, sie sollten sagen, sie hĂ€tten sich hingegeben, denn der Glaube sei noch nicht in ihre Herzen eingezogen.
HĂ€ufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Islam und Iman? Islam meint die Hingabe und ihre sichtbaren Handlungen, Iman die innere Ăberzeugung. Im weiteren Sprachgebrauch werden beide oft gleichgesetzt.
Wie stĂ€rkt man den Iman? Genannt werden regelmĂ€Ăiges Gebet, Quranlesung, Dhikr, gute Gesellschaft und der Gedanke an den Tod.
ZĂ€hlen Taten zum Iman? DarĂŒber gibt es eine alte Debatte. Die verbreitete Auffassung: Der Iman umfasst Ăberzeugung, Aussage und Handlung, und Handlungen wirken darauf zurĂŒck.
Quellen
- Das GesprĂ€ch ĂŒber Islam, Iman und Ihsan, ĂŒberliefert von Umar ibn al-Chattab: Sahih Muslim 8.
- Die Unterscheidung von Hingabe und Glauben: Quran, Sure 49, Vers 14.
- Zur Vertiefung: Faith, Yaqeen Institute.
- Zur Bedeutung von Iman als tasdiq: Amir Zaidan, Begriffsbestimmung von al-iimaan, Islamologische EnzyklopÀdie.
Kareem C.
Kareem C. schreibt fĂŒr die Redaktion des CommonsBlog. Die BeitrĂ€ge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel fĂŒhrt seine Belege am Ende auf.